Home > Journal > Artikel: Sucht nach Computerspiel - sind die Eltern überfordert?

Die Auswirkungen von Videospielen auf die geistige und körperliche Gesundheit des Kindes

04. September 2014 - maski

Das Phänomen der Computerspiele weckt derzeit sehr stark und hochpolarisierte Emotionen, sowohl in unterschiedlicher Weise bei Kindern sowie bei Jugendlichen und Erwachsenen. Einerseits werden sie als moderne, attraktive Unterhaltung angesehen, weil sie oft ein faszinierendes Abenteuer bieten.
Andererseits stellt dieses "moderne Vergnügen" ein Eintauchen in eine eigene virtuelle Welt voller Gewalt und raffinierter Grausamkeit dar, das mit erhöhter Besorgnis von Pädagogen und Psychologen beobachtet wird.

Immer häufiger kommen verzweifelte Eltern mit ihren nach Computerspielen süchtigen Kindern in die psychologische Betreuung. Dabei beginnt die Sucht oft sogar mit der unbewussten elterlichen Unterstützung. Zunächst ist es Neugier und Bewunderung: das Kind ist beschäftigt, meistert am Computer spielerisch seine Aufgaben und die Eltern sind voller Bewunderung für ihr kleines "Genie". Sie dulden, dass das Kind immer längere Zeitabschnitte vor dem Bildschirm sitzt, mit der Überzeugung, dass es sich entwickelt und gleichzeitig zu Hause unter den wachsamen Augen der Eltern befindet. Dieser Zustand wird zur Gewohnheit und die Eltern bemerken nicht die schleichende Veränderung des Verhaltens ihres Kindes. Erst wenn das Kind bei dem Versuch es vom Computer zu trennen mit plötzlichen Ausbrüchen von unkontrollierter Wut und Aggression reagiert, ist die Besorgnis groß.

Die normale familiäre Relation Eltern - Kind ist zerbrochen und das Kind allein verliert auch selber die Kontrolle über sich. Oft kommt die Reaktion der Eltern erst dann, wenn das Kind stark abhängig geworden ist: also wenn Muskelatrophie vom ständigen Sitzen am Computer auftritt, wenn es die Schule schwänzt, wenn es sich nicht wäscht und viele Tage ohne essen auskommt, suchen die Eltern psychologische Hilfe. Das Verhalten der Opfer von Computersucht gleicht denen anderen Süchte.

Suchtsymptome von Computerspiel erkennen

  • Computerspielen scheint die wichtigste Aktivität im Leben eines Kindes zu sein.
  • Das Kind zieht sich aus bestehenden Aktivitäten (z.B. Treffen mit Kollegen, Sport oder es will nicht mehr lernen) zurück.
  • Abstinenzerscheinungen - Einstellung des Computerspielens führt zu unangenehmer Stimmung des Spielers, Reizbarkeit, sogar unkontrollierte Aggression.
  • Konflikthäufung - die betroffene Person kommt auf Grund seines Engagements bei Computerspielen in Konflikt mit seiner unmittelbaren Umgebung, in der Regel sind das die eigenen Eltern.
  • Drastische Veränderungen in der Stimmung - meistens ist es Wohlbefinden oder das Gefühl der Taubheit und Erschöpfung.
  • Rückfall - nach einer Zeit der Selbstkontrolle und sogar vollständigen Einstellung der Computerspiele erfolgt die Rückkehr zu dem früheren pathologischen Spielverhalten.
  • Tendenz die zeitliche Beschäftigung mit den Computerspielen zu verlängern.

Die Computerspielsucht ist immer noch nicht ausreichend erforscht. Bisherige Erkenntnisse stammen meistens aus der Beobachtung und Praxis von Psychologen und Psychiatrien. Es scheint, dass die Welt der Computerspiele besonders attraktiv für frustrierte Menschen mit geringem Selbstwertgefühl und fehlenden guten Beziehungen zu ihrer Umgebung ist. Da bietet solchen Menschen die virtuelle Welt - Computerspiele - den Ausgleich. Das Machtgefühl, die Stärke und der Einfluss auf das Schicksal von anderen verwirklichen viele Wünsche und Träume. Vor allem das Gefühl der Abgeschiedenheit oder Demütigung existiert in der virtuellen Welt nicht, also ist das Computerspiel ein idealer Ort um der harten Realität zu entkommen.

Zu den negativen Auswirkungen von Computerspielen auf die Psyche von Kindern und Jugendlichen kommt zusätzlich eine oft beunruhigende physische Entwicklung. Das lange Sitzen am Computer beeinträchtigt sicherlich auch die Reifezeit. Zunächst einmal verdrängen Videospiele den gesunden Zeitvertreib: Sport, Wandern, Outdoor-Spaß.

Ärzte verschiedener Fachrichtungen signalisieren, dass Computerspiele dauerhafte Auswirkungen auf die Gesundheit haben können, z.B. Sehstörungen, rheumatologische Erkrankungen, Taubheitsgefühl, Muskelatrophie, Körperhaltungschäden, Skoliose, erhörter Blutdruck, Händezittern bis zur Schädigung des zentralen Nervensystems.

Schutzmaßnahmen vor Sucht von Computerspielen

Um die Kinder vor den schädlichen Auswirkungen von Computerspielen schützen zu können, sollten Eltern sowie Erzieher und Lehrer sich besser über die Welt der Videospiele orientieren um rechtzeitig und effektiv reagieren zu können. Nur dann kann man die Richtung der Entwicklung der Kinder bewusst überwachen, und vor allem, ihnen eine vernünftige und kritische Anwendung der Computerspiele von Anfang an beibringen:

  • Eltern sollten wissen, welche Spiele ihre Kinder spielen.
  • Eltern sollten Spielregeln für die Computernutzung etablieren, die Kinder beachten müssen.
  • Das Kind sollte nur Computerspiele spielen können, wenn die Eltern zu Hause sind.
  • Eltern sollten die Zeit die das Kind am Computer verbringt strikt begrenzen.
  • Konsequent das Prinzip beachten: erstens Pflichten erfüllen, dann das Computerspiel spielen.
  • Häufiger einen Freund nach Hause einladen. Interesse für andere Formen der Freizeitgestaltung fordern.
  • Mehr Zeit, mit dem Kind und um das Kind verbringen.

Den Eltern und Erziehern sollte zunächst bewusst sein, dass Kinder eigentlich keine elektronische Spielzeuge brauchen um glücklich zu werden. Viel wichtiger ist die Zuwendung, Verständnis, Freundlichkeit und gezeigtes Interesse seitens der Erwachsenen. Es ist wahrscheinlich der einzige Weg, um das Kind vor den zerstörerischen Auswirkungen von Computerspielen und anderen Medien zu schützen.