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Lösen Online-Spiele wissenschaftliche Probleme?

13. September 2014 - Justyna

Die neue Generation von Online-Spielen bietet nicht nur Unterhaltung! - sie hilft Forschern auch bei der Lösung von Rätseln der modernen Wissenschaft in Bereichen wie Genetik, Umwelt und Kosmologie.

Derzeit werden die Leistungen der Online-Spieler nur im virtuellen Bereich geschätzt und gelten in der realem Welt als unbrauchbar. Dies könnte sich aber ändern, indem eine neue Welle der Online-Spieler, die geringe oder überhaupt keine wissenschaftliche Erkenntnisse besitzen, in der Lösung von vielen ernsthaften Forschungsproblemen helfen könnte.

Im Jahr 2011 lösten Spieler, die das Spiel "Foldit" (experimentelles Computerspiel, bei dem es das Ziel ist, ein möglichst gut "gefaltetes" Protein zu erhalten) spielten, die Struktur des Enzyms, die eine Krankheit, ähnlich wie AIDS, bei Affen verursacht. Die Wissenschaftler haben an diesem Problem 13 Jahre gearbeitet. Die Spieler konnten es innerhalb von drei Wochen lösen. Ein Jahr später entdeckten Spieler, die das Spiel "Planet Hunters" gespielt haben, einen interessanten Planeten mit vier Sternen in ihrem System. Bisher haben sie insgesamt 40 Himmelskörper entdeckt, auf denen Leben möglich wäre. Alle diese Planeten sind von professionellen Astronomen übersehen worden.

Eine Beziehung zwischen Spielern und Wissenschaftlern scheint eher bizarrer Natur zu sein. Aber in der Tat liegen ihre Welten nicht so weit auseinander, denn beide konzentrieren sich auf das Lösen von Rätseln innerhalb bestimmter Regeln.
Bei der Genetischen Analyse untersucht man Sequenzen und sucht nach Mustern von Bindungen innerhalb scheinbar einer zufälligen Anordnung von Daten. Man kann auch eine wissenschaftliche Analyse in Form eines Spiels wie z.B. Münzsammler erstellen. Um das Spiel zu lösen, sollte der Spieler vorerst die Verhaltensweise herausfinden, dann sollten die Forscher der Denkweiße des Spielers auf den Grund gehen, um schließlich zu einer Anregung zu kommen wie werden Mutationen herausgefunden, die zum z.B. Krebs, Alzheimer oder Diabetes führen.

"Menschliche Gehirne sind auf die Mustererkennung fokussiert, und sie tun es besser als Computer", sagt Erinma Ochu, Neurologe an der Universität von Manchester, um zu erklären, warum die Wissenschaftler sich um Hilfe an die Spieler wenden sollten. "Es ist für Wissenschaftler eine neue Art zu arbeiten und so lange das Vertrauen auf die Arbeit der Spiele-Entwickler besteht, so lange werden Tausende von Menschen aus der ganzen Welt mit dem Lösen von Wissenschaftlichen Problemen beschäftigt".

Das Potential ist riesig. Als Planet verbringen wir 3.000.000.000 Stunden pro Woche mit Online-Spielen, und wenn auch nur ein Bruchteil dieser Zeit zum Nutzen der Wissenschaft verwendet wird, werden Labors auf der ganzen Welt Zugang zu einer ziemlich beeindruckenden kognitiven Maschine haben. Die Kunst ist es jedoch, mit solchen Spielen das breite Publikum zu begeistern, denn je mehr Spieler dieses attraktiv und anziehend finden, desto größere Datenmengen können verarbeitet werden und desto genauere Schlüsse können daraus gezogen werden.

Zoran Popovic ist der Direktor des Wissenschaftlichen Zentrum für Spiele an der Universität von Washington und Mitbegründer des Foldit-Spiel. Er erklärt, dass, obwohl die Online-Spiele schon eine erfolgreiche Massenunterhaltung sind, dieser Bereich noch viel mehr Menschen braucht. "Der Ausbildungsprozess spielt keine besondere Rolle, weil es sich heraus stellt, dass nur ein kleiner Prozentsatz von den Menschen die Oberschule absolviert hat und für Spiele interessiert sind, den Doktorgrad erwerben und sich weiter hin mit Spielen begeistern. Mit Blick auf die Menge der ungelösten wissenschaftlichen Problemen und dem Vergleich mit der Menge der zu Verfügung stehenden Wissenschaftler, ist es klar, dass wir auf Grund der Anzahl von kompetenten Personal, mit dem wissenschaftlichen Fortschritt ein wenig gebremst sind."

Zoran Popovic schätzt, dass nur durch das Spiel Foldit, die Zahl der Menschen, die an der "gefaltete" Protein arbeiten in den letzten zweieinhalb Jahren Weltweit vierfach zugenommen hat. Zooniverse - eine Website - die eine breite Palette von Wissenschaftsprojekten anbietet, darunter auch "Planet Hunters", schätzt, dass ihre Volontäre zurzeit ein Büro von 600 Menschen besetzen wurden, die rund um die Uhr an den wissenschaftlichen Aufgaben arbeiten.

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