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Die lange Geschichte der Kartenspiele

30 April 2019 - Andrea Moreno

Geschichte der Kartenspiele

Photo by KristianDESIGN (Author), Picabay Licence (Licence)

Die Menschheit war schon immer reichlich verspielt, und dabei ist es ganz egal, welche Altersgruppe man betrachtet. Sobald Erwachsene auch nur ein wenig Zeit zwischen all der Arbeit erübrigen konnten, wandten sie sich häufig irgendwelchen Spielen zu. Darum erscheint es kaum verwunderlich, dass das Kartenspiel schon mehr als 1000 Jahre auf dem Buckel hat – und jetzt eine ganze besondere Art der Blüte erlebt. Alles begann im alten China und zwar nicht mit Papier, sondern mit Knochen.

Früheste Ursprünge

Die Chinesen der Tang Dynastie zwischen 618 und 907 beschäftigten sich liebend gern mit Würfelspielen und dem heute noch bekannten Mahjong. Auch Domino lag damals hoch im Kurs, und alle diese Spiele hatten etwas gemeinsam: Die zugehörigen Steine waren aus Knochen gefertigt. Es lag also äußerst nahe, auch einmal flache fliesenartige Platten aus diesem Material zu schnitzen und diese zum Spielen zu verwenden. So hielten die ersten Kartenspiele Einzug, fein bemalt und akribisch gestaltet. Erst im 12. Jahrhundert wurde das Papier erfunden und die Chinesen reagieren ziemlich zeitnah, indem sie ihre schweren, eher unhandlichen Knochenkarten gegen die deutlich praktischere Variante eintauschten. Natürlich unterschieden sich die genutzten Kartensymbole damals noch himmelweit von den unsrigen. Die fernöstlichen Spielfreunde setzten auf Darstellungen von chinesischen Zahlen und Münzen sowie von Bambuspflanzen und anderen ihnen bekannten Bildern.

Wanderschaft der Karten

Zuerst war es also der Ferne Osten, der dem Kartenspiel verfiel, danach folgte der Nahe Osten. Dort erhielten die Bildkarten eine gründliche Umgestaltung nach arabischem Gusto mit vier verschiedenen Farben und den heute üblichen Reihen. Allerdings waren Karo, Herz, Pik und Kreuz damals noch Stöcke, Schwerter, Tassen und Münzen. Die Umwandlung erfolgte ganz allmählich, bis hin zum ägyptischen Kartenset, den sogenannten Mameluken-Karten, mit seinen exakt 52 Karten, zehn Zahlen und drei Bildern: König, Vizekönig und 2. Stellvertreter. Heutzutage sind derart langsame Entwicklungen und die jahrhundertelange Verbreitungsgeschichte kaum noch vorstellbar! In Zeiten des World Wide Webs geht alles viel, viel schneller und beinahe jeder auf der ganzen Welt kennt die Abbildungen des modernen Kartensets.

Dank des Internets spielen die Menschen heutzutage oft online gegeneinander. So oft tatsächlich, dass Online Poker-Riese PokerStars kürzlich die 200 milliardste gespielte Pokerhand feiern konnte. 200 Milliarden, das ist ganz schön eindrucksvoll, wenn man bedenkt, dass auf der Erde "nur" knapp 7,6 Milliarden Menschen leben. Und der Boom ist ungebrochen. Trotzdem stellt sich auch hier die Frage, wie Kartenspiele in der Zukunft aussehen werden und was die nächste Evolutionsstufe bereithält. Doch dazu später, jetzt folgen wir erst einmal dem Weg der Karten aus Ägypten hinaus bis nach Europa, ganz speziell: Frankreich.

Angekommen in Europa

Die Franzosen nahmen die neue Spielmöglichkeiten im 14. Jahrhundert mit großer Dankbarkeit auf, sie waren kurzweiligen Vergnügungen noch nie abgeneigt. Unsere heutigen Bildkarten mit den Motiven Bube, Dame und König nahmen vermutlich dort Gestalt an, um anschließend den Siegeszug bis in den hohen Norden des Kontinents zu vollenden. Allerdings entstanden daneben noch zahllose weitere Muster, zum Beispiel statteten die Deutschen ihre Karten mit Eicheln, Glocken, Blättern und Herzen aus. Auch Tiere wie Wildschweine und Bären prangten vielerorts auf den Vorderseiten, während die Spanier und Italiener lieber bei den traditionellen nahöstlichen Symbolen blieben.

Und natürlich wäre da noch unser Joker, der irgendwie auch ins Kartenset hineingefunden hat, ohne jedoch bei jedem Spiel mit dabei zu sein. Er stellt die 53. Karte dar oder, wenn er nicht allein auftritt, auch noch die 54. Karte. Der Joker gesellt sich ausschließlich zu Sets mit französischen Farben und ist der höchste aller Trümpfe. Früher gab es im Tarock-Blatt einmal eine ganze Trumpfreihe mit eigener Nummerierung, wahrscheinlich ist der Joker der letzte Überlebende dieser feinen Gesellschaft. In einigen antiken Kartensets ist der Joker sogar noch zusätzlich mit "Höchster Trumpf" beschriftet, einige enthalten auch die Bezeichnung "Trumpf Bower". Bower bedeutet so viel wie "Bauer" und bezieht sich auf das am höchsten gewertete Paar im historischen Spiel Euchre.

Joker card

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Blick in die Zukunft

Wirklich begeisterungswürdig wird dieses Thema, wenn es darum geht, die Vielzahl der heute existenten Kartenspiele zu betrachten. Und zwar nicht nur diejenigen, die das traditionelle Blatt verwenden, sondern auch all jene, die völlig eigene Motive und Farben tragen. Es sind unzählbar viele geworden! Und fast jedes von ihnen existiert auch irgendwo in digitaler Form, weil sich der Spieltrieb der Menschen immer mehr im virtuellen Bereich austobt. Die Karten der Zukunft werden also keinesfalls einförmig sein, sondern kunterbunt und voller Kreativität.

Keine Frage, auch das traditionelle Blatt wird weiter diesem großen Reigen angehören, in tausenderlei Ausformungen und doch immer irgendwie gleich. Auch werden die Papierkarten uns garantiert noch lange Zeit erhalten bleiben, ebenso wie das E-Book wohl niemals das gedruckte Buch komplett verdrängt. Doch es wird auch neue Darstellungsarten geben, wie zum Beispiel virtuelle 3-D-Karten, die beinahe wie echt wirken, obwohl sie nur aus Bits und Bytes bestehen.

Fazit

Spannende Zeiten liegen hinter uns – und spannende Zeiten liegen vor uns. Wer Spiele mag, dem wird ohnehin nie langweilig, denn die Auswahl für vergnügliche Stunden wächst und gedeiht mit jedem Tag. Also freuen wir uns gemeinsam auf die Zukunft und auf das, was wir bereits haben: Kartenspiele voller Esprit, die jeden, der sich darauf einlässt, in den Bann ziehen.

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