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Knappe Kasse: Das Risiko bei britischen Spielautomaten sinkt

28 Mai 2018 - von Rik Snuiverink

In England trifft diese Nachricht alle Fans von Spielautomaten schwer: Der Höchsteinsatz an einarmigen Banditen und Co. wird drastisch reduziert – und zwar von 100 auf nur mehr 2 Pfund. Dies soll vor allem das Risiko der Spieler verringern, eine Spielsucht zu entwickeln. Eigentlich ein positiver Gedanke, der jedoch auch negative Folgen haben könnte. Laut Branche zieht das ca. 20.000 Arbeitsplätzen den Boden unter den Füßen weg – sie könnten durch die Kürzung schon bald überflüssig werden.

Britische  Spielautometen

Wer hat es entschieden?

Die Mitglieder des Parlaments sind wohl nicht oft in Spielhallen anzutreffen, denn sie stimmten mit großer Mehrheit für die erhebliche Reduktion des Höchsteinsatzes. Auch Kulturminister Matthew Hancock steht zu seiner Entscheidung im Kampf gegen die Spielsucht. Für die Industrie kommt dieser Schlag plötzlich: Bisher genoss der Glücksspielsektor in Großbritannien ein größtenteils unbehelligtes Dasein, in dem er nun zum ersten Mal mit strengen Auflagen fertig werden muss. Experten der Branche orakeln, dass dies den verfügbaren Arbeitsplätzen gar nicht gut tun werde. Wenn an Spielautomaten wie Starburst auf einmal nur noch 2 Pfund eingesetzt werden können, verlieren also viele Casinoangestellte ihre Lebensgrundlage.

Auswirkungen im Detail

Besonders betroffen hiervon sind Mitarbeiter der in England weit verbreiteten Wettbüros. Bisher konnten hier nicht nur Pferde- und Hundewetten abgeschlossen werden. Auch Spiele wie Roulette und andere Spielautomaten-Klassiker wurden angeboten. Die Spieler konnten dabei ganze 100 Pfund auf einmal einsetzen – und zwar alle 20 Sekunden. Die Gewinnchance war dabei festgelegt, sodass der Gewinn mit einem höheren Einsatz deutlich interessanter war als bei einem niedrigeren. Bei der neuen Regelung ist zu befürchten, dass die Spieler die magere Gewinnaussicht nicht mehr ausreichend reizt und die Nutzung der Spielautomaten deshalb zurückgeht. Diese sind allerdings unerlässlich für das Überleben der Wettbüros, weshalb viele nun mit einer Schließung rechnen müssen.

Kontroverses Vergnügen: Glücksspiel

Es ist nicht jedermanns Sache, trotzdem findet Glücksspiel bei großen Teilen der Bevölkerung Beifall und hat schon manches schlanke Portemonnaie aufgebessert. Zur Beliebtheit der Casinos und anderen Institutionen trägt wahrscheinlich auch der Glamour bei, der mit diesem Lifestyle in Verbindung gebracht wird. Die Spielhallen in Las Vegas sind umgeben von einer Welt des Glitzers und der Ausschweifung, in zahlreichen Filmen werden die Helden durch ein goldenes Händchen am Roulette-Tisch reich. Das britische Parlament hingegen konzentriert sich ausschließlich auf die negativen Zahlen. Spielsüchtige verlieren demnach regelmäßig mehr als 1000 Euro und verschulden sich durch ihren Konsum zunehmend. Die starke Reduktion sei deshalb ein Schritt in die richtige Richtung, wenn es darum gehe, die Verluste der Süchtigen einzuschränken und ihnen einen Weg aus der Sucht zu erleichtern. Der Entscheidung sprechen viele deshalb moralischen Beispielcharakter zu.

Bedeutung der Glücksspielbranche für Großbritannien

Glücksspielsucht ist ein ernst zu nehmendes Problem und muss behandelt werden – auch deshalb wurde eine Hotline für solche Spieler eingerichtet, die ihren Konsum nicht mehr unter Kontrolle haben und denen es schwer fällt, mit den Folgen fertig zu werden. Allerdings ist auch die Bedeutung der britischen Glücksspielindustrie für die Wirtschaft des Landes nicht kleinzureden. Im vergangenen Jahr lagen die Einnahmen bei knapp 2 Milliarden Euro, verteilt auf die 146 Casinos, 340 Internet-Anbieter und 9000 Wettbürofilialen, die nun von einer Pleite bedroht sind. Auch wenn die Maßnahme im Kampf gegen die Spielsucht wünschenswerte Erfolge erzielt, wird sie unter Umständen ohne Rücksicht auf die Arbeitsplatzverluste durchgesetzt, die sich zwangsläufig aus ihr ergeben. Das Parlament müsste sich auch Gedanken dazu machen, wie diese Verluste kompensiert werden können. Schließlich gilt es, zu verhindern, dass ein hoher Anteil der Angestellten der Branche auf einmal auf der Straße steht.

Fest steht: Bei all dem Übermut, dem Glücksspiel den Garaus zu machen, dürfen die Leute hinter den Casinotischen nicht vergessen werden.

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